„Als Student kam man nach Wien, um bei Stoehr zu studieren“

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Anderer Schüler am Curtis Institute of Music waren etwa die späteren Dirigenten Erich Leinsdorf, Arthur Rodzinski, Herbert von Karajan und die Pianisten Rudolf Serkin, Eugene Istomin, Alexander Brailowsky und Walter Hauzig.

Stoehr als Pädagoge

Seinen Weltruf hat Stoehr als Musikpädagoge erarbeitet. Bereits Anfang der 1930-er Jahre kamen Studenten aus Japan zu ihm, so Dagobert Arima. Diese japanischen Schüler haben eine Schiffsreise von drei Wochen von Japan über den Suezkanal und das Mittelmeer auf sich genommen, nur um bei Stoehr zu studieren. Auch chinesische und indische Studenten wollten nur bei ihm lernen. Das war damals ziemlich exotisch.

Bei seinen Vorlesungen an der Musikakademie hat er die Türen zusperren lassen für die Zuspätkommenden. Die Vorlesungen waren überfüllt. Und auch wenn die Studenten geklopft haben wie verrückt, er hat sie nicht herein gelassen. Das haben sich die Leute gemerkt, so hat er sie diszipliniert. Erinnerungen des Sohnes: „Er war sehr, sehr pünktlich, sehr gewissenhaft. Hat jeden Brief, wenn möglich, am gleichen Tag beantwortet – mit der Hand, er hatte ja keine Sekretärin. Er war teils gefürchtet und teils geliebt. Er war sehr streng, aber ein sehr guter Lehrer“.

„Mein Vater war sehr fleißig, er hat sehr viel geschrieben. ‚Jüdische Rastlosigkeit’, wenn Sie den Ausdruck kennen. Mein Vater hat immer gelesen, war sehr diszipliniert. Zu Gesellschaften war er Mittelpunkt, hat musiziert und vorgespielt. Die Leute haben ihn bewundert. Aber er ist immer vor zehn Uhr nach Hause. Er hat eine Zigarette geraucht pro Tag, und es gab höchstens ein Krügerl Bier“. 1964 erfolgte eine Einladung nach Wien zurückzukehren, aber da war er zu alt. Es war zu spät. Er wollte Wien in guter Erinnerung haben, nach dem Krieg war alles zerstört, und als 90-Jähriger wollte er nicht mehr über den großen Teich.

Neben den akademischen Vorlesungen hat Stoehr auch Vorträge gehalten in der Urania und bei anderen populären Veranstaltern. Er war sehr beliebt, so melden die Zeitungskritiken: „Die Begabten hat er gefördert, er war sehr gewissenhaft, hat sehr auf Pünktlichkeit und Ordnung gehalten, fast preußisch“.

Die Hoffnung lebt

Lange hat man Richard Stoehr hier, auch in seiner ehemaligen Wirkungsstätte, vergessen. Stoehr hatte keine Lobby, die Wiener Kritiker reagierten auf seine Musik bissig; die Kollegen waren sich Konkurrenten. Und bei den Juden war er auch unten durch, weil er sich hat taufen lassen – nach Bruno Walter, Arnold Schönberg und Gustav Mahler: „Das hat ihm sehr geschadet in der Wiener Gesellschaft, denn man kannte ja meinen Großvater“.

Aber: Die Benennung eines Platzes liegt noch in der Schwebe. Vor drei Jahren wurde diese Idee einmal angeregt von Seiten des Ministeriums. Noch hat sich nichts getan, aber einen kleinen Platz in Floridsdorf hat man zumindest einmal kurz ins Auge gefasst. Vielleicht geht es ja langsam vorwärts - es muss nur einer dran bleiben.

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