Schattenwirtschaft: Fluch oder Segen für die legale Volkswirtschaft?

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UdSSR. 40% des Wohnraums und 33% der landwirtschaftlichen Produkte wurden in einer teils legalen Privatwirtschaft in Kleinstbetrieben und teils in einer halblegalen Schattenwirtschaft geschaffen.

Betrachten wir als nächstes Beispiel Italien, ein Land in dem die offizielle Marktwirtschaft auch relativ schlecht funktioniert.

Von den in aller Welt beliebten italienischen Schuhen und Leder- und Textilwaren, einschließlich der Bekleidungswaren, werden in einigen Branchen bis zu 90% im Untergrund erzeugt.

Ein Abgeordneter der DC beschrieb die Wirtschaft seines Landes so:

"Es gibt zwei Italien. Das eine, das Steuern zahlt, aber an Händen und Füßen gefesselt ist, und nur durch staatliche Hilfe vor dem Zusammenbruch bewahrt wird, und das andere, der vielen florierenden Minibetriebe mit pulsierender Vitalität, das den Rest der offiziellen Wirtschaft während der letzten Krisenjahre vor dem Zusammenbruch bewahrt hat."

Die "Economia somersa" erzeugt 35% des BIP. 5 Millionen Menschen arbeiten im Untergrund, etwa die Hälfte davon als Schwarzarbeiter, die keiner offiziellen Arbeit nachgehen und etwa die andere Hälfte als Grauarbeiter, die neben ihrem legalen Beruf auch einer anderen Beschäftigung nachgehen, die von keiner Statistik erfasst wird.

Den 3 Millionen Arbeitslosen der offiziellen Wirtschaft stehen also 5 Millionen illegale Arbeiter der Schattenwirtschaft gegenüber. Von den 2,5 Millionen Schwarzarbeitern sind 500.000 illegale Gastarbeiter, also keine Italiener, so dass sich italienische Arbeitslose und italienische Schwarzarbeiter fast die Waage halten. Das heißt aber natürlich nicht, dass alle offiziellen Arbeitslosen einer Schwarzarbeit nachgehen. Nur etwa die Hälfte der Arbeitslosen sind gleichzeitig Schwarzarbeiter. Die restlichen Arbeitslosen sind entweder fallweise Grauarbeiter oder Arbeitsscheue, die ein dolce vita ohne Arbeit vorziehen.

Sicher ist jedenfalls, dass ein zweites Italien existiert, in dem 2 Millionen Schwarzarbeiter, ähnlich wie seinerzeit in der Planwirtschaft der Oststaaten, fleißig arbeiten, Häuser bauen, und für den Weltmarkt gefragte Produkte erzeugen, und auch die offizielle Wirtschaft weitgehend versorgen.

Allein das Defizit durch Steuerhinterzeihung für den Staat beträgt 90 Milliarden Euro, das sind etwa 20% des BIP.

Das illegale Italien gewinnt zur Zeit eher an Bedeutung gegenüber dem offiziellen, weil die Sozial- und Steuergesetze eine weitere Entfaltung der offiziellen Wirtschaft unmöglich machen oder sogar ihren weiteren Bestand bedrohen. Immer neue Ge- und Verbote der Bürokratie, Vorschriften zur Unfallverhütung und diverse Soziallasten und Nebenkosten sind für viele Betriebe zu teuer geworden. Sie mussten ihre Tore schließen. Ihre ehemaligen Mitarbeiter verdienen heute vielleicht im Untergrund mehr, oder in kleinsten Betrieben, in denen der Druck der Gewerkschaften geringer ist, als in Großbetrieben.

Auch die zunehmende Heimarbeit wird zum Selbstschutz gegenüber übertriebenen Ansprüchen des Wohlfahrtsstaates.

In der Untergrundwirtschaft stimmen dann die Bilanzen wieder. Es gibt weder Streiks noch zusätzliche Sozialbelastungen, kaum Sicherheitsvorschriften und keine Kündigungsfristen, keine Gewerkschaften und durch Kauf und Verkauf ohne Rechnung ersparen sich Unternehmer und Händler die Mehrwertsteuer, die Einkommenssteuer, sowie alle anderen Steuern. Darüber hinaus gibt es auch keinen Verwaltungskram, den die offiziellen Unternehmen für den Staat verrichten müssen. Und obendrein haben die Untergrundbetriebe fleißige und arbeitswillige Mitarbeiter, während die legalen Betriebe mit faulen und arbeitsscheuen Elementen zurechtkommen müssen, die mit dem Unternehmer noch Prozesse beim Arbeitsgericht führen, so dass dieser sich seinen eigentlichen Aufgaben kaum noch widmen kann.

Zur Zeit arbeiten nur 38% der Bevölkerung auf erfassten Arbeitsplätzen (gegenüber 45% in Deutschland), was ebenfalls einen Anhaltspunkt für den hohen Anteil der in der Schattenwirtschaft tätigen Schwarzarbeiter liefert. Aber auch die Anzahl der Grauarbeiter lässt sich sehen:

54% aller Beamten haben einen Nebenjob;
68% der Beamten im Landwirtschaftsministerium sind Grauarbeiter;
32% der Beamten arbeiten während der Arbeitszeit als Vertreter für den Vertrieb von Konsumgütern innerhalb ihres Amtes.
Und die Abwesenheitsquote der Beamten ist durchschnittlich 15% weil es keine strengen Kontrollen gibt.

Der Umsatz des organisierten Verbrechens ist auch höher als in anderen westlichen Ländern: 76.000 Autos werden im Jahr gestohlen und größtenteils exportiert. Der Umsatz der kriminellen Unterwelt ohne diesen Autoexport beträgt 15 Mrd. EUR, dabei entfallen 50% auf den Rauschgifthandel, 30% auf illegale Wetten, 6% auf Schmuggel anderer Waren, der Rest auf Bankraub, Schutzgelder, die zum Großteil auch im Ausland eingehoben werden, und andere Aktivitäten der Unterwelt.

Auch das System der Erpressung zur Bezahlung von Schutzgeldern ist in Italien am verbreitetsten. Die Mafia, die Camorra, die Brigate Rosse, die Cosa Nostra, die Autonomia und die Senza Tregua (ohne Waffenstillstand) waren und sind nicht nur im Inland tätig, sondern auch in allen anderen Ländern der Welt, wo etwas zu holen ist. Die Camorra und der jeweilige Verbrecherclan eines lokalen Bereiches, meist einer Großstadt, verbinden sich dann zu "Rackets", die die Eintreibung der Tangenten organisieren.

Die Anbahnungstechniken der Blutsauger sind mannigfaltigst. Beliebt war eine Zeit das System mit der Puppe. "Was ist Ihnen diese schöne Puppe wert?" fragt ein Vermittler beim Betreten eines Geschäfts oder Hotels. Unabhängig davon, ob die Puppe ihren Besitzer wechselt oder nicht und unabhängig von der Höhe des gespendeten Betrages, ist unter diesen Umständen eine Anzeige wegen Erpressung natürlich auch dann nicht möglich, wenn der Geschädigte überhaupt den Mut hätte, die Polizei zu verständigen. Außerdem ist es eine Erfahrungstatsache, dass für jede bezahlte Tangente, die der Polizei zur Kenntnis gebracht wird, 10 weitere, höhere Tangenten fällig werden.

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