Schattenwirtschaft: Fluch oder Segen für die legale Volkswirtschaft?

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Aber auch härtere Repressalien sind üblich, wie anonyme telefonische Drohungen, Einbruchsdiebstähle und anschließende Brandlegung oder Zertrümmerung der Einrichtung. Kurze Zeit nach diesen "Warnungen" ist das Auftauchen von freundlichen Vermittlern zu erwarten, die sich anbieten, gegen die Verbrecher einen Schutz zu bieten. Frechere Vertreter des Rackets verlangen die Bezahlung von Waren, die nie geliefert wurden, oder von Diensten, die nie erbracht wurden. Wenn die "gesalzene Rechnung" nicht beglichen wird, kann auch eine Pistole im Genick nachhelfen, die Barzahlung zu erzwingen.

75% der Betroffenen halten sich an die Schweigepflicht, die ihnen die Verbrecher auferlegen, weil sie befürchten, dass es zum Einsatz des äußersten Mittels der Delinquenten kommt: zum Menschenraub mit anschließend enormen Forderungen nach Lösegeldern.

Eine anonyme Umfrage der Handelskammern hatte ergeben, dass etwa 150.000 italienische Firmen, Kaufleute, Hoteliers, Bars, Handwerker und Gewerbetreibende solche Tangenten von durchschnittlich 2000 EUR im Monat bezahlten.

Der Polyp des Tangentenunwesens hat also viele Fangarme, die er fallweise auch im Ausland einsetzt.

Wie sieht nun die Schattenwirtschaft in einer relativ gut funktionierenden Marktwirtschaft aus, etwa in der BRD oder in den USA?

Der gesamte Umsatz der Untergrundwirtschaft in der BRD wurde 1983 auf 12-15% des BIP von 1500 Mrd. DM, also auf etwa 200 Mrd. DM geschätzt. Davon entfallen etwa:

  • 50 Mrd. (3% des BIP) auf reine Wirtschaftskriminalität, vornehmlich betrügerische Vermögensberater, die günstige Veranlagungen mit Steuerersparnissen in Aussicht stellen und die ihnen anvertrauten Gelder dann veruntreuen, in letzte Zeit auch zunehmend kriminelle Programmierer, die in die eigene Tasche arbeiten.

  • 50 Mrd. (3%) auf Schwarzarbeit, 15 Mrd. davon auf Bauarbeiter und Handwerker, 2 Mrd. auf Kfz-Mechaniker und Kfz-Spengler, 0,5 Mrd. auf Friseure.

  • 5 Mrd. auf Organisiertes Verbrechen: Es werden in Deutschland in einem Jahr "nur" ca. 15.000  teure Autos von professionellen Dieben gestohlen und vornehmlich ins Ausland verkauft, das entspricht etwa 1 Mrd. DM.

  • 3-4 Mrd. auf Rauschgifthandel (0,2% des BIP). Allerdings wird von Zollbeamten jährlich Rauschgift im Wert von nur 100 Mio. sichergestellt.

Die restlichen von keiner Statistik oder Behörde erfassten Sparten der Schattenwirtschaft entfallen auf Grauarbeit, linke Arbeit und vor allem auch auf legale Selbsthilfe und Nachbarschaftshilfe.

Nach den offiziellen Statistiken gibt es heute (2002) 4 Millionen Arbeitslose und man muss sich deshalb wohl fragen, wie viele von ihnen sind Schwarzarbeiter, die dank ihrer Unterstützung mehr verdienen als vorher in einem legalen Arbeitsverhältnis? Und wie viele Schwarzarbeiter, die in keiner Arbeitslosenstatistik erfasst werden und wie viele Grauarbeiter stehen den 4 Millionen Beziehern von Arbeitslosengeld gegenüber, von denen wohl nur etwa die Hälfte wirklich keine Arbeit verrichtet.? Und um wie viel ist das BIP unter Berücksichtigung der Schattenwirtschaft vielleicht gewachsen, auch wenn das legale BIP fallweise abgenommen hat?

Jedenfalls arbeiten 3,5 Millionen Bürger in Deutschland teilweise um etwas dazuzuverdienen ohne dafür Steuer zahlen zu müssen, teilweise aber auch, weil sie ihre Fähigkeiten in der Schattenwirtschaft besser entfalten können. Vielleicht auch weil sie in der Schattenwirtschaft selbständiger und unter angenehmeren Bedingungen arbeiten können, als in ihrem offiziellen Beruf.

Auch in den USA schätzt man den Anteil der Schattenwirtschaft wie in Deutschland auf 12-15%, wobei allein die Steuerhinterziehung einem Betrag von 100 Mrd. US-$ entsprechen soll. Ein Drittel des unversteuerten Einkommens stammt dabei allein aus krimineller Tätigkeit. Nicht nur in Italien und in den ehemals kommunistischen Ländern, auch in Deutschland und den USA blüht somit die Schwarzarbeit: Maler und Anstreicher, Kraftfahrzeugmechaniker und Klempner, Maurer und Elektriker, Friseure und Schlosser arbeiten im Untergrund meist mit mehr Fleiß, besser und schneller als in der offiziellen Wirtschaft. Lehrer geben Nachhilfe, Universitätsassistenten schreiben Diplomarbeiten, Bauräte zeichnen Pläne von Einfamilienhäusern, Versicherungsangestellte arbeiten als Konsulenten und Beamte als Vertreter.

Alle diese Tätigkeiten werden zwar von keiner Behörde erfasst, sie tragen aber teilweise doch in nicht zu unterschätzendem Umfang zur Vermehrung des Volksvermögens und zum Wohlstand vieler Bürger bei.

Auf alle Fälle wäre es deshalb Vogelstraußpolitik die Wirtschaftspolitik ohne Berücksichtigung der Vorgänge in der Schattenwirtschaft zu betrachten. Denn währen in der legalen Wirtschaft ein Großbetrieb nach dem anderen in Konkurs geht, wächst die Wirtschaft im Untergrund. Je schlechter die offizielle Wirtschaft funktioniert, desto mehr verschiebt sich der Schwerpunkt der Gesamtwirtschaft von der legalen zur Schattenwirtschaft.

Maßnahmen zur Bekämpfung der Schattenwirtschaft

Um die Schattenwirtschaft in zulässigen Grenzen zu halten müssen die folgenden wesentlichen Ursachen beseitigt werden:

  1. Die  übermäßige Belastung durch Steuern und Sozialabgaben, durch Senkung der direkten Steuern und explodierenden Lohnnebenkosten.

  2. Die Gesetzesfluten auf dem Gebiet des Arbeitsrechtes und der Sicherheitsvorschriften müssten wieder auf ein vernünftiges Maß reduziert werden.

  3. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit müsste durch Einbeziehung des Arbeitslohnes in die Marktwirtschaft beseitigt werden. An die Stelle der Tariflöhne, müssten Systeme der Entlohnung treten, die auch die Wertschöpfung des Betriebes und die Qualität der Arbeit berücksichtigen und nicht nur, wie zu Zeit, die Quantität.

  4. Anstelle der ständig sinkenden Arbeitszeit durch kürzere Wochenarbeitszeit, kürzere Lebensarbeitszeit und mehr Zeit für Agenden außerhalb der Arbeitszeit ohne auf die Tätigkeit in der Freizeit Rücksicht zu nehmen, müsste auch auf die sinnvolle Verwertung der Freizeit in einer Dualwirtschaft Wert gelegt werden.

  5. Das verlorenen Vertrauen in den Staat, der selbst immer schlechter wirtschaftet, aber der Wirtschaft vorschreibt, wie sie zu wirtschaften hat, müsste wiederhergestellt werden. Hierzu wären Abschaffung aller Subventionen und eine gleichzeitige aufkommensneutrale Steuersenkung sowie gerechtere Sozialgesetze und Entlohnungssysteme erforderlich, in denen auch der Erfolg der Arbeit berücksichtigt wird. Diese Maßnahmen würden auch die Steuermoral heben.

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